Heute ist der 4. November, wir beschließen alles zu packen und uns auf den Weg nach Olympia zu machen. Bisschen Ausgrabungen anschauen und den Geist der Antike spüren. Zumindest denken wir das zu diesem Zeitpunkt.

Bis alles gepackt ist und unser Wassertank voll, ist es schon 12 Uhr. Und Einkaufen müssen wir auch noch… Nach den Erledigungen kommen wir um 15h in Olympia an, natürlich hat die Ausgrabung schon geschloßen. Wir nehmen uns einen Campingplatz für die Nacht, den aus einigen Park4Night Berichten, haben wir gelesen das frei stehende Womos hier in der Stadt, mit Orangen beworfen werden, vorallem Nachts. Das brauchen wir nicht und es gibt einen süßen CP direkt in der Stadt. Camping Diana, nur 500m von den Ausgrabungen entfernt und nur 50m zum Stadtkern. An der Einfahrt werden wir von einem jungen Mann empfangen, der perfekt Englisch spricht. Nachdem wir geparkt haben, stellt er uns seine 91jährige Oma vor, sie ist die Besitzerin und noch sehr rüstig. Spricht sogar französisch. Der Platz hat einen wundervollen 80er Jahre Flair und nachdem wir den Flyer gesehen haben, in dem noch die Bilder aus diesem Jahrzehnt mit T3 Bullys und vielen Zelten zu sehen sind, wissen wir es hat sich seitdem nicht viel verändert. Und doch hat der Platz irgendwie Charme und für 22€ die Nacht, preiswert.

Den Nachmittag bummeln wir in der Stadt, essen Eis, kaufen Postkarten und Briefmarken. Anton hat sich in einem, außergewöhnlich gut sortierten, Buchladen (fast alle Sprachen Europas vertretten) „Die Arbeiten des Herakles“ ausgesucht. Okay die Fabelwesen und die Geschichten sind für einen 4 Jährigen vielleicht etwas früh, den ich konnte ihm nicht überzeugend erklären warum der Hydra immer 2 Köpfe nachwachsen wenn einer abgeschnitten wird… er wollte es trotzdem den ganzen Abend vorgelesen bekommen.

Olympia City.
City.
Eine Göttin. Kurz vor dem Anpfiff.

Die Nacht war ruhig und deutlich kälter als am Meer. Um 6:30 musste ich zum 2ten mal auf der Reise die Heizung anschmeißen. Nein, nicht damit es kuschlig warm in den Betten ist, sondern weil Theo dann wach ist und ich mit ihm im „Wohnzimmer“ spiele. Und da waren es nur 9 Grad, sogar für uns kalt. Nach dem Frühstück, machen wir uns zu Fuß auf den Weg zur Ausgrabung. Nur die Ewachsenen zahlen Eintritt, 12€, die Kinder sind umsonst. Der Eintritt ins Museum ist dabei, aber leider aktuell nix für uns. Vielleicht in ein par Jahren dann. Ein riesiges Areal, ich hoffe auf den Bilder ist es annährend zu erkennen. Wobei noch nicht alles ausgegraben ist. Seit ca 1930 finden hier Ausgrabungen statt, von Anfang an ist Deutschland dabei, unterstützt mit Wissen, Fachpersonal und kulturellem Austausch. Dank der Infotafeln in 3 Sprachen ist man über jedes Bauwerk gut informiert. Und jeder Stein hier wird beobachtet, tritt man auf ein Podest um eine Staue zu imitieren, hört man eine laute Trillerpfeife, die einen wieder auf den Boden zurückholt. Fragt Lisa, sie hat Erfahrung damit.

Gang ins Stadion.
Säule.
Apollon.

Nun kennen wir schon viele Ausgrabungen der Römer, und ja es ist sehr ähnlich vom Baustil und der Infrastruktur der Stadt. Und doch ist die Athmosphäre irgendwie anders, frei nach dem Bauchgefühl, würde ich sagen, weniger militärisch sondern mehr philosophisch. Wenn man sich vorstellt das vor über 2500 Jahren hier Männer ( Frauen waren nicht erlaubt und nur „freie Männer“ Griechenlands durften teilnehmen ) aus dem ganzen griechischen Reich, ihre Fertigkeiten in verschiedenen Sportarten gemessen haben und verschiedene religiöse Kulte/Kultstätten und Kaiser kamen und gingen, ist es schon beeindruckend. Jeder Stein hat soviel zu erzählen, am liebsten würde ich länger hier verweilen und die Atmosphäre aufsaugen. Ein andermal.

Nach vielen kleinen und großen Pausen, wird der Ruf nach Eis und Kaffee immer lauter. Also Eis für Lisa und Kaffee für Anton, klar. Machen wir uns auf den Weg durch die Stadt zum Campingplatz.

Werkstatt.
Restaurant vor Lockdown.
Ein Schätzchen, MB LA 911 mit Holzkoffer. Vorräte auffüllen vor dem Lockdown.

Kaum am CP angekommen, ereilt uns die Nachricht, dass es ab dem 7.11.2020 einen spontanen Lockdown in ganz Griechenland geben soll. Auweia und nun? Wir tauschen uns bei verschiedenen Netzwerken mit anderen Familien aus und suchen nach Lösungen. Einige sind schon nach Kreta gefahren, andere sind im Süden Peloponnes auf einem CP der offen bleiben darf, wiederum andere haben sich in Kolonnen zusammgeschloßen und dürfen bei Sportvereinen auf dem Gelände stehen. Okay, Möglichkeiten gibt es anscheinend en masse. Welche ist für uns am besten zu diesem Zeitpunkt? In den Süden sind es 4h Fahrt, nach Kreta ist die „Einmal-die-Woche-Fähre“ von Gythion gestern gefahren, auf einem Sportplatz rumstehen? Wir erfragen bei dem Camping wo wir zuletzt waren, ob er geöffnet haben darf, ja darf er. Okay dann ist das unsere Lösung, nur 1 h Fahrt von Olympia, direkt am Meer, Pool, Spielplatz und andere Kids. Ehrlich gesagt ist der Mini-Market und frisches Brot am Morgen Service auch toll.

Eigentlich wollten wir noch irgendwo eine Werkstatt aufsuchen, weil unsere Bremsen auf der rechten Seite doch langsam unerträglich quietschen. Der nette Enkel der Besitzerin hat einen Cousin der KfZ Meister ist ( was ein Zufall ) , dessen Werkstatt sich nur 1000 Meter weiter befindet. Er fährt sogar mit damit er dolmetschen kann, super. Vor Ort klappt alles entspannt, das Vorderrad wird abmontiert, die Scheibe und die Belege sind noch zu 60% intakt. Es wird geleuchtet und die Scheibe gedreht, dann drückt der Cousin mal eben einen Schlitzschraubendreher zwischen die Belege und auf dem Werkstattboden hört man Steinchen kullern… Rad wieder dran, gemeinsame Probefahrt, Quietschen weg. Faszinierend. Ich bin begeistert, wie einfach es manchmal sein kann. Der Enkel übersetzt und fragt ob wir öfter Schotterpiste fahren? Nun ja, Sardinien waren schon einige Sachen dabei, immerhin haben wir doch einen „Offroad-Knaus-Ducato“, oder nicht? Nach meiner Frage nach der Rechnung wird herzlich gelacht und abgewunken, dass sei doch keine Arbeit gewesen. Doch wenigstens in die Kaffeekasse schmeiße ich ein Dankeschön rein. Zumindestens ist das Quietschen jetzt weg, bevor wir 3 Wochen irgendwo stehen müssen… Ja der Text enthält viel Sarkamus, ich weis. Das Schlimme ist, seit wir in Griechenland sind, waren wir nicht einmal Essen. Das ändert sich heute Abend. Wir suchen uns ein nettes Restaurant in der Stadt und essen mal „richtig“ griechisch, mit gefüllten Weinblättern als Vorspeise und Moussaka als Hauptgericht. Leider hat danach kein Dessert mehr gepasst und Ouzo schmeckt keinem von uns.

Am nächsten Tag machen wir uns früh auf den Weg. Aber vorher schenkt uns die „Oma“ noch Zitronen vom eigenen Baum und wünscht uns „Bon Voyage“. Wir tanken nochmal voll, kaufen den halben Lidl leer und zusätzlich noch einen einheimischen Supermarkt. Diesmal sind wir definitv überladen!

Gegen Mittag sind wir auf dem CP und erwarten eine Flut von Reisenden. Aber sie bleibt aus. Es kommen ingesamt noch 8 Autos nach uns, mit den Rentnerüberwinterer die sowieso hier sind, sind es jetzt imgesamt 30 Womos. Alle bunt verteilt über den Platz, was bei der Größe des Platzes sehr leer wirkt.

Aufjedenfall sind wir mehr als gut vorbereitet für die 3 Wochen. Mal schauen wie unser „Club-Urlaub“ so wird.

Der nächste Beitrag kommt dann aus dem Lockdown, mit Langeweile oder auch nicht.